RESIDENZ VILA SUL

Stipendium des Goethe-Instituts Salvador de Bahia, Brasilien

23 jan – 19 mär 2017

Als international arbeitender Künstler kommt Ben J. Riepe in seiner Auseinandersetzung auf unterschiedlichste Weise mit der „Materie Mensch“ in Berührung – wahrgenommen und geleitet durch die Aufladung des öffentlichen Blickes auf selbigen. Als Oberfläche. Als Landschaft. Als Material. Diese Erfahrungen der diversen Betrachtungs- und Umgangsweisen mit der menschlichen Physis sowie mit vielfältigen Körperkulturen von Orient bis Okzident möchte er nun miteinander ins Verhältnis setzen und auf seine Zuschreibungskraft hin näher untersuchen. Dabei spielt Riepe zunehmend mit verschiedenen Ästhetiken, divergenten historischen Bildvorlagen und den unterschiedlichsten Arten von Maskierung. Diese Auseinandersetzung erhält, im Kontext gegenwärtiger gesamtgesellschaftlicher Suchbewegungen nach einer Begegnung mit dem Anderen und Fremden als diverse Gemeinschaft, eine zunehmend politische Konnotation. In Zeiten intensiver Debatten über das Trageverbot der Burka aus Angst vor dem „Käfig aus Stoff“ (so Innensenator Henkel im August 2016) bekommt die ästhetische Beschäftigung mit dem Thema Ver- und Enthüllung des Körpers eine politische Dimension.

Im künstlerisch ausagierten Akt des Verhüllens und Enthüllens bündelt sich für Riepe ein ganzer Kosmos rund um den politischen, sozialen und ästhetischen Körper. Kulturelle Einschreibungen in den Körper sind es, die im Kern interessieren und sich in der Machtgeste des Zeigens und Versteckens vor dem Auge des Betrachters offenbaren. Ein und dieselbe Geste kann Verführung, Erotik, Spannung erzeugen und zugleich als Ausdruck von Gewalt, Unterdrückung und Macht verstanden, empfunden werden. Dieser Thematik will sich Ben J. Riepe im kommenden Jahr auf dem künstlerischen Tableau stellen. Schonungslos. Direkt. Ästhetisch.

Entscheidend für eine umfassende Auseinandersetzung mit dieser Thematik wird der zweimonatige Rechercheaufenthalt sein, den Ben J. Riepe zu Beginn des Jahres 2017 auf Einladung des Goethe-Instituts in Salvador, Brasilien unternimmt. Mittels dieser Einladung gewinnt Riepe die Möglichkeit, viele Institutionen und Künstler aus Südamerika kennenzulernen und sich kollaborierend zu verbinden. Ausgehend von vielschichtigen Befragungen der eigentümlichen Tanz- und Körpersprache Brasiliens werden einige Praktiken ausgetauscht. Des Weiteren wird der bisherige Erfahrungsschatz mittels einer Analyse traditioneller Candomblé-Voodoobräuche, strenger körperlicher Ausformungen des Katholizismus sowie des weltberühmten Karnevals als kollektives Ritual politischer und körperlicher Ektase erweitert.

  • CARNE VALE!

    Kunsthalle Düsseldorf

    10 nov 2017

  • Corpo Carga Calma Alma

    Teatro Vila Velha, Salvador de Bahia, Brasilien

    17 mär 2017