Beginn

Orangerie Herrenhausen

Uraufführung: 31 mär 2022

Auf Einladung des Berliner Solistenensembles Kaleidoskop und der Staatsoper Hannover übernimmt Ben J. Riepe Regie und Choreographie der Musiktheaterproduktion Beginn, die am 31.3.2022 in der Orangerie Herrenhausen zur Premiere kommen wird. In einem gemeinsamen künstlerischen Prozess verbindet er die sechs Kaleidoskop-Solist*innen mit den insgesamt sechs Musiker*innen von Seiten des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover zu einem neuen Performance-Ensemble auf Zeit, das nicht nur musikalisch, sondern auch in Aktion und Bewegung auf der Bühne agiert. Gemeinsam mit den Musiker*innen und der isländischen Komponistin Bára Gísladóttir widmet er sich der Frage, wie ein Neu-Beginn angesichts einschneidender Umwälzungen, ökologischer Herausforderungen und den Folgen der Pandemie aussehen kann.

„Wir befinden uns ja in einer Art Zeitenwende zwischen zwei Krisen, in einem Transformationsprozess, in dem alles in Bewegung ist. Was kann darin unsere Rolle als Mensch sein? Über Generationen hinweg haben wir uns als Krone der Schöpfung gesehen, jetzt scheint aber der Moment gekommen, uns weniger hierarchisch, neu und anders, als ein Geschöpf unter vielen in die Natur einzuordnen. Mit allen künstlerischen Mitteln möchte ich mit den Musikerinnen und Musikern als Bühnenakteure einen Beginn visionieren:  Wie und was kann diese „neue Welt“ sein? Welches Gepäck, welches Archiv, welcher Ballast vielleicht, womöglich aber auch: welche Möglichkeiten, bringen wir aus der Vergangenheit mit, um die Zukunft zu gestalten? Wovon müssen wir uns endgültig verabschieden und welche tradierten Ideen und Qualitäten können zu Neuem, zu notwendigen Veränderungen führen? In der Ausstattung machen wir dieses „Gepäck“ im Wortsinn sichtbar, weil wir mit Boxen mit unterschiedlichem Inhalt arbeiten werden, die schon formal viele Assoziationen zulassen: Zeitkapseln, Archivierungskisten, Instrumentenkoffer. Die Frage der Nachhaltigkeit, des Upcycling dessen, was schon da ist, treibt uns auch bei den Kostümen um: Wir werden ganz bewusst keine neue Kleidung produzieren, sondern haben in tagelanger Arbeit den Fundus durchforstet, um aus bereits Bestehendem, aus alten Versatzteilen, neue Silhouetten zu kreieren, die so eklektisch daher kommen, dass sie sich allen epochalen und inhaltlichen Zuschreibungen und jeder tradierten Semantik erstmal entziehen.
Inhaltlicher Start- und Ausgangspunkt meiner Probenarbeit ist der Atem, als Instrument und gemeinschaftliche Praxis, denn er verbindet uns sowohl miteinander, als auch mit der Natur und ist in der Musik gleichzeitig Klangerzeuger und ein Marker von Gemeinschaft und Gemeinsamkeit.“ (Ben J. Riepe)

Die Gegensätze von Streich- und Blasinstrumenten, von freien Musiker*innen und Mitgliedern eines Staatsorchesters sowie von notierten und improvisierten Klängen werden die musikalische Basis liefern, auf der diese musikalisch-performative Neukreation entsteht. In Bára Gísladóttirs Komposition für Beginn kommt Percussions-Instrumenten eine besondere Relevanz zu. Auch Bühnenelemente und der Körper der Musiker*innen selbst werden auf klangliche Möglichkeiten hin untersucht.

Regie, Choreografie: Ben J. Riepe Bühne
Komposition: Bára Gísladottír
Musikalische Leitung: Richard Schwennicke
Kostüme: Ben J. Riepe, Gwen Wieczorek
Dramaturgie: Julia Huebner

Beginn ist der zweite Teil des Kooperationsprojekts NEUN des Solistenensemble Kaleidoskop mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Staatsoper Hannover, gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.